Willst Du mich provozieren?

Es war bei der Zugfahrt durch die gemütliche Schweiz. Wir saßen in einem Großraumabteil. Der fremdländische Mann dem Gang gegenüber hatte sich von uns die Steckdose zum Handyladen zeigen lassen. Die Rotweiflsche leerte sich zusehends. Die Gespräche am Telefon wurden lauter und eindringlicher. Sie wurden so laut, dass ich ihn darauf hinwies, dass es noch mehr Reisende im Wagen gäbe und dass diese durchaus zum Beispiel lesen möchten. Er sprang auf und kam auf mich zu: „Willst Du mich provozieren?“ Gesprächsversuche scheiterten aber zum Glück kam bald der Schaffner und so beruhigte sich die Situation – vorerst. Da es keinen Zwischenhalt gab, durfte der Mann, nach seiner Aussage ein Russe, die Reise auch ohne Billett fortsetzen.
Etwas später kam er wieder ins Telefonieren und auch wieder ins laute Telefonieren und obwohl ich versuchte, es zu ignorieren und weiter zu lesen sprang er wieder auf und fragte mich: „Willst Du mich provozieren?“ Ich verneinte und gab ihm zu verstehen, dass ich lesen möchte. Die ganze Geschichte eskalierte, als wir unsere Nationalitäten ausgetauscht hatten. Nun gab es für ihn kein halten mehr: „Hitler ist tot, Du bist ein Nazi. Du bist ein  Nichts wie eine Maus. Ich erschieße Dich.“ Er gab keine Ruhe, so dass ich zum Schaffner ging und um Unterstützung bat. Der uniformierte Mann schaffte es tatsächlich, dem Mann so was Ähnliches wie Respekt abzunötigen (in manchen Gegenden Europas wirken Menschen in Uniform so) und wir waren froh, als der Zug in Zürich hielt und wir umsteigen konnte.
Was kann mir dieses Erlebnis sagen?

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