Kategorie-Archiv: Allgemein

Fallhöhe

Je geringer die Fallhöhe, deste größer der Mut.
Ich habe keine Ahnung, ob diese Behauptung stimmt. Aber mal drüber nachzudenken, wie groß einerseits meine Fallhöhe und andererseits mein Mut ist – das könnte schon mal lohnen.
Um es mir selber klarzumachen:
ich meine mit Fallhöhe die Summe aller Dinge, die ich verlieren kann.
Fallhöhe ist immer absolut und relativ zu gleich. Mein Lieblings-T-Shirt liegen zu lassen kann ein herber Verlust für mich sein. Im Angesicht dessen, was ich aber habe ist es aber ziemlich lapidar.
Dass es in meinem Leben noch viel Luft nach oben gibt war mir schon immer klar. Dass es aber auch eine ziemliche Fallhöhe gibt und ich auf meiner aktuellen Höhe – die sich wie knapp über dem Boden anfühlen kann – noch sehr, sehr geleiebt und getragen bin vergesse ich leider manchmal.
So gesehen, kann ich in fast allen Höhen und Tiefen des Lebens ziemlich mutig oder ziemlich wenig mutig sein.
16.03.2018

Dinge können auch einfach sein

…es war nicht alles schlecht…

Ich stehe ja (hoffentlich) nicht im Verdacht, ein glühender Verehrer der DDR zu sein:
Mein alter Mischer aus eben diesem vergangenen Land hatte seinen Geist eufgegeben, bzw. nach meiner Einschätzung war nur der Schalter kaputt. Also habe ich im Internet danach gesucht. Und tatsächlich: irgendwer hatte noch solche Schalter, hergestellt von einem VEB in Görlitz. Also flugs die defekten Teile ausgetauscht – natürlich von einem Elektro.Fachmann – und: der Mischer drehte sich wieder. Klar – so schick wie die Schalter heute in rot und gelb sieht er nicht aus: das Guss-Gehäuse in dezentem Grau, der Schalter schwarz.
Ich meine nur: Dinge können auch einfach sein…

„für mich ist der Zug abgefahren“

sagte kürzlich ein Freund zu mir. Was meinte er? Dass er im Leben nichts mehr zu erwarten hat? Aber vielleicht hatte er doch Recht – auf seine Weise. Der Zug, auf den er immer gewartet hatte, ja der ist wohl abgefahren. Vielleicht kommt auch dort, wo er sich gerade befindet, nie wieder ein Zug vorbei. Wozu dann weiter an dieser Stelle auf einen Zug warten, der nie kommt? Ich finde das Bild spannend. Mittlerweile gibt es ja eine Menge Bahnhöfen, wo nie mehr ein Zug anhalten wird. Aber niemand sagt, dass ich auf einem verlassenen Bahnhof den Rest des Lebens verbringen muss – außer, ich habe es so gewählt. Es ist so ein bisschen wie: das haben die Leute nun davon, dass ich hier festsitze, warum schicken sie auch keinen Zug vorbei. Die Initialzündung, diesen Ort zu verlassen, wird nicht von Außen kommen. Der Wunsch ist immer schon in mir da. Ich müsste einfach nur den ersten Schritt tun? So einfach?

Zeremonielle Gegenstände

Im Buch „Der heilige Kreis“ hat Scout Clud Lee die zeremoniellen Gegenstände ihres Stammes wunderbar beschrieben, verschiedene Stäbe, Pfeifen, Schilde, Bündel…

In unseren Redewendungen kommt dies ab und an noch vor:
der führt doch was im Schilde
der kann sich eine Pfeife anbrennen
jeder hat sein Bündel zu tragen
man sollte nicht so schnell den Stab über jemanden brechen….

Selbst diese Redewendungen gehen langsam verloren – scheint mir.

Dabei hatten zeremonielle Gegenstände ihren Sinn. Was sind unsere rituellen Gegenstände? Wo gibt es noch einen Redestab, den ich mir nehmen kann, um aus dem Herzen zu sprechen? Was ist meine Friedenpfeife, die ich mit meinem persönlichen Feind rauchen kann (nachdem ich ihm aus ganzem Herzen zugehört habe)? Aus meinem „Schild“ ist eine Visitenkarte geworden, oder ein Flyer, ein Blog, eine Homepage – mehr oder weniger kunstvoll.
Und mein „Bündel“ mit den wichtigsten Sachen – kann ich das noch wirklich unter den Arm stecken und davon tragen?

Konkurrenz?

„Es war ein Augenblick, als ich erkannte, dass es so etwas wie ein einzelnes nachhaltiges Geschäft nicht gibt, ganz gleich, wie gut die Praktiken innerhalb meiner Firma waren, ganz gleich, ob ich kompostierte und recycelte, bei den lokalen Landwirten kaufte und erneuerbare Energien nutzte usw. – das war alles nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Ich musste über die Grenzen meines eigenen Unternehmens hinausgehen und anfangen, zusammen mit anderen  zu arbeiten und insbesondere mit meinen Konkurrenten, um ein ganzes System aufzubauen, das auf diesen Werten beruht“. (Judy Wicks: Interview mit Elizabeth Hoffecker Moreno, 23.8.2011, gefunden in: C. Otto Scharmer „Von der Zukunft her führen“ S. 256)

Der Punkt für mich liegt nicht im genauen Wissen was „diese Werte“ sind sondern das neue Denken über meinen Konkurrenten

kritische Masse

Es ist doch eigentlich nichts Neues, wo die kritische Masse liegt:

bei 10 Prozent.

scnarc.jpg
So schnell kann die Verbreitung in der Simulation gehen, wenn der kritische Punkt überschritten wird: Grafik: SCNARC/Rensselaer Polytechnic Institute

Nicht bei 51 %, nicht bei 67 % nicht bei 99,98 %.

Das wissen wir doch alles längst.

Warum sind dann 23 % für das BGE wenig?

Es ist wenig für die, die sich nicht mit kritischen Massen beschäftigen.

Wie viele Menschen haben sich bei den Volkskammerwahlen 1989 in der DDR der Stimme enthalten (sind nicht hingegangen), wie viele waren dagegen (haben mit NEIN gestimmt)? Jeweils so etwa 10 %.

Was war das Ergebnis?

(frag Dich, frag mich…)

23 % beim BGE sind so was von gut, dass die Sache nicht mehr aufzuhalten ist.

Vielleicht gibt es einfach einen Unterschied zwischen Mehrheiten und kritischer Masse. Sicher ist es gut, manchmal die Mehrheit zu haben, damit sich bestimmte Dinge nicht verändern. Aber die kritische Masse zu erreichen ist was ganz anderes. Da wird die Veränderung von Dingen eingeleitet.

Nacht des Feuers für Jungen von 13 bis 15 Jahren

Jungen im Alter von 13 / 14 Jahren stehen an der Schwelle vom Kindsein zum jungen Mann. Es ist gut, wenn sie bei diesem wichtigen Schritt von Männern begleitet werden.

Die Geschichte vom Eisenhans und kleine Rituale in der Natur bilden den Rahmen der Nacht des Feuers. Die Jungen werden von ihrem Vater oder einem Paten bei der Bewältigung von kleinen Aufgaben unterstützt.
Es geht für die Jungen von jetzt an darum, Dinge auch allein zu bewältigen.
Sie werden erfahren, dass Niederlagen und Verletzungen zum Leben eines Mannes gehören. Und: die Jungen erhalten den Segen der Männer, die sie begleiten.
Den Abend beschließt die Zeit am Feuer und ein Fest.
Der kommende Morgen dient dazu, das Erlebte zu verinnerlichen und sich auf die Rückkehr in die Familie vorzubereiten.

Wir übernachten unter freiem Himmel oder im Zelt und bewegen uns die ganze Zeit in der freien Natur.

 

Willst Du mich provozieren?

Es war bei der Zugfahrt durch die gemütliche Schweiz. Wir saßen in einem Großraumabteil. Der fremdländische Mann dem Gang gegenüber hatte sich von uns die Steckdose zum Handyladen zeigen lassen. Die Rotweiflsche leerte sich zusehends. Die Gespräche am Telefon wurden lauter und eindringlicher. Sie wurden so laut, dass ich ihn darauf hinwies, dass es noch mehr Reisende im Wagen gäbe und dass diese durchaus zum Beispiel lesen möchten. Er sprang auf und kam auf mich zu: „Willst Du mich provozieren?“ Gesprächsversuche scheiterten aber zum Glück kam bald der Schaffner und so beruhigte sich die Situation – vorerst. Da es keinen Zwischenhalt gab, durfte der Mann, nach seiner Aussage ein Russe, die Reise auch ohne Billett fortsetzen.
Etwas später kam er wieder ins Telefonieren und auch wieder ins laute Telefonieren und obwohl ich versuchte, es zu ignorieren und weiter zu lesen sprang er wieder auf und fragte mich: „Willst Du mich provozieren?“ Ich verneinte und gab ihm zu verstehen, dass ich lesen möchte. Die ganze Geschichte eskalierte, als wir unsere Nationalitäten ausgetauscht hatten. Nun gab es für ihn kein halten mehr: „Hitler ist tot, Du bist ein Nazi. Du bist ein  Nichts wie eine Maus. Ich erschieße Dich.“ Er gab keine Ruhe, so dass ich zum Schaffner ging und um Unterstützung bat. Der uniformierte Mann schaffte es tatsächlich, dem Mann so was Ähnliches wie Respekt abzunötigen (in manchen Gegenden Europas wirken Menschen in Uniform so) und wir waren froh, als der Zug in Zürich hielt und wir umsteigen konnte.
Was kann mir dieses Erlebnis sagen?

„Männlichkeit

ist eine Konstruktion, und nichts Natürliches.“
Das sagt Forscher Stefan Horlacher. Ok, ich schaue noch mal nach, ob ich da irgend etwas aus dem Zusammenhang gerissen habe:“Männlichkeit scheint zunächst etwas Natürliches zu sein. Doch eigentlich besteht Männlichkeit aus kulturellen Normen, die sich je nach Kulturraum und Epoche unterscheiden… Das zeigt: Männlichkeit ist eine Konstruktion, und nichts Natürliches.“

Na, das ging aber fix.

Gut, also probiere ich mal den anderen Satz:
„Weiblichkeit ist eine Konstruktion, und nichts Natürliches.“

Wenn schon der erste Satz für sich ziemlicher UnSinn ist, der zweite machts dann wohl deutlich, dass das so nicht stimmen kann.

Oder hab ich da was übersehen?

 

 

1. Advent

Kleines kann vollkommen sein-kleinManchmal lohnt es sich, genauer hinzusehen.